Falle für die Asiatische Hornisse: Anleitung mit PET-Flasche

Eine Asiatische Hornisse schwirrt über dem Obstbaum, und die erste Reaktion ist meist Sorge um die Bienen, die Ernte, vielleicht auch um die eigene Sicherheit. Eine Falle für die Asiatische Hornisse bauen kann helfen, den Bestand rund um Ihr Grundstück zu drosseln – aus einer alten PET-Flasche, in einer knappen Viertelstunde, für null Euro. Doch bevor Sie loslegen, sind zwei Dinge wichtig: Sie müssen sicher sein, dass es wirklich die invasive Art ist, und Sie sollten wissen, dass eine simple Flaschenfalle auch Nützlinge fängt. Beides klären wir hier – die komplette Bauanleitung inklusive.
Kurz gesagt
- Erst erkennen – Die Asiatische Hornisse hat auffällig gelbe Beinenden; die heimische Hornisse ist geschützt und darf nicht getötet werden.
- Material – Eine 1,5-Liter-PET-Flasche, ein Messer, Schnur und ein Köder aus Bier, Zucker und einem Schuss Essig genügen.
- Aufbau – Flaschenhals abschneiden und kopfüber als Trichter einsetzen: Die Hornissen finden hinein, aber kaum wieder hinaus.
- Standort – Mindestens 2 m hoch aufhängen, ideal in einem Obstbaum; beste Zeit ist März bis Mai und August bis Oktober.
- Verantwortung – Falle alle paar Tage kontrollieren, gefangene Nützlinge freilassen, ein ganzes Nest niemals selbst entfernen.
Erst prüfen: Ist es wirklich die Asiatische Hornisse?
Bevor Sie eine einzige Flasche zerschneiden, schauen Sie genau hin. Die heimische Hornisse (Vespa crabro) steht unter Naturschutz. Wer sie tötet, riskiert ein Bußgeld – und das ist keine leere Drohung, denn die Verwechslungsgefahr ist real. Beide Arten sind groß, brummen laut und wirken auf den ersten Blick bedrohlich.
Das zuverlässigste Erkennungsmerkmal der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) sind die gelben Beinenden. Ihr Körper ist insgesamt dunkler, fast schwarz, mit einer einzigen orangefarbenen Binde am Hinterleib. Die heimische Art dagegen zeigt deutlich mehr Rot- und Gelbtöne und hat dunkle Beine. Wenn Sie unsicher sind, machen Sie aus sicherer Entfernung ein Foto und lassen die Art bestimmen, statt vorschnell zu handeln.
Rechtlich hat sich zuletzt einiges bewegt. In vielen Regionen gilt die Asiatische Hornisse inzwischen als etabliert und ist nicht mehr meldepflichtig – der Märkische Kreis etwa hat die Meldepflicht 2025 aufgehoben. Das heißt aber nicht, dass alles erlaubt ist: Eine Bekämpfung ist nur sachkundig, tierschutzkonform und ohne Gefährdung anderer Arten zulässig. Prüfen Sie im Zweifel die Vorgaben Ihrer örtlichen Naturschutzbehörde, denn die Lage unterscheidet sich je nach Bundesland und Landkreis.
Das brauchen Sie für die Flaschenfalle
Die Materialliste ist kurz, und wahrscheinlich haben Sie fast alles im Haus:
- eine leere 1,5-Liter-PET-Flasche (klar, nicht eingefärbt)
- ein scharfes Messer oder eine kräftige Schere
- Schnur oder dünner Draht zum Aufhängen
- den Köder: 200 ml Bier, 2–3 Teelöffel Zucker, ein Schuss Essig
Der Köder ist das Herzstück. Bier und Zucker locken die Hornissen zuverlässig an, und der Essig erfüllt eine überraschend wichtige Aufgabe: Er hält gezielt Bienen fern, die den sauren Geruch meiden. Genau deshalb sollten Sie auf Honig und süßen Fruchtsaft verzichten – die riechen für Bienen verlockend und machen aus Ihrer Hornissenfalle eine Bienenfalle. Ein Trick aus der Redaktion: Rühren Sie den Köder erst kurz vor dem Aufhängen an, damit er frisch und aromatisch ist.

So bauen Sie die Falle Schritt für Schritt
Jetzt wird gebastelt. Der ganze Aufbau dauert kaum länger als zehn Minuten:
- Flaschenhals abschneiden: Trennen Sie das obere Drittel der Flasche mit einem sauberen Schnitt ab.
- Trichter einsetzen: Drehen Sie das abgeschnittene Oberteil um und stecken Sie es – ohne Deckel – kopfüber in den unteren Teil. So entsteht ein Trichter.
- Löcher stechen: Stechen Sie zwei kleine Löcher am oberen Rand der Flasche.
- Aufhängung befestigen: Ziehen Sie Schnur oder Draht durch die Löcher und verknoten Sie sie zu einer Schlaufe.
- Köder einfüllen: Gießen Sie die Mischung in den unteren Teil, etwa fingerbreit hoch.
Das Prinzip dahinter ist simpel und clever: Die Hornissen kriechen dem Geruch folgend durch die enge Trichteröffnung nach unten – aber den Weg zurück durch dieselbe Öffnung finden sie kaum wieder. Wer besonders effektiv fangen möchte, kann eine 3-Flaschen-Variante bauen: Dabei dienen zwei abgeschnittene Flaschenhälse als seitliche Eingänge in eine dritte, intakte Flasche. Wie Sie eine ähnliche Falle gegen Ameisen bauen, zeigen wir übrigens an anderer Stelle – das Grundprinzip bleibt gleich.

Der richtige Standort und Zeitpunkt
Selbst die beste Falle bringt am falschen Platz wenig. Hängen Sie sie mindestens 2 Meter hoch auf, am besten in einem Baum – ein Obstbaum ist ideal, weil Hornissen dort ohnehin nach reifem Fallobst suchen. Auch die Nähe zum Komposthaufen funktioniert gut. Wichtig ist, dass die Falle nicht direkt über Ihrem Sitzplatz oder mitten in einem Blühbeet hängt, wo sie besonders viele Bienen anlockt.
Beim Timing gibt es zwei entscheidende Fenster. Von März bis Mai sind die Königinnen unterwegs, um neue Kolonien zu gründen. Fangen Sie in dieser Phase eine einzige Königin, verhindern Sie damit womöglich einen ganzen Staat mit Hunderten Tieren – das ist der wirkungsvollste Zeitpunkt überhaupt. Das zweite Fenster liegt zwischen August und Oktober, wenn die Völker am größten sind und der Druck auf die Bienenstöcke steigt.

Regelmäßig kontrollieren – auch wegen der Nützlinge
Hier kommt der Punkt, den viele Bastelanleitungen verschweigen: Eine einfache Flaschenfalle ist wenig selektiv. Sie fängt nicht nur Asiatische Hornissen, sondern auch Wildbienen, Schwebfliegen und andere nützliche Insekten. Fachleute sprechen bei solchen Fallen sogar vom „Staubsauger-Effekt“, weil sie unterschiedslos alles einsammeln, was der Köder anlockt. Wer die Natur schützen will, darf die Falle deshalb nicht einfach aufhängen und vergessen.
Kontrollieren Sie die Falle alle paar Tage. Der Köder verdirbt bei Sommerwärme schnell und verliert seine Lockwirkung – wechseln Sie ihn regelmäßig. Gefangene Asiatische Hornissen entsorgen Sie, versehentlich gefangene Nützlinge lassen Sie dagegen frei. Wenn Ihnen das zu heikel ist, sind kommerzielle Locktöpfe eine nützlingsschonendere Alternative: Sie arbeiten selektiver und sind für alle interessant, die etwas mehr investieren möchten. Ein wachsames Auge auf den Garten lohnt sich ohnehin – so erkennen Sie auch Schädlinge im Baumstamm rechtzeitig, bevor sie Schaden anrichten.

Profi-Tipps
- Abstand halten: Hängen Sie die Falle nie direkt neben Bienenstöcke – sonst locken Sie die Bienen mit ins Verderben.
- Dunkel wirkt: Braune oder schwarze Farbtöne ziehen Hornissen stärker an als helle; ein dunkles Band um die Flasche kann die Fangquote erhöhen.
- Im Zweifel fotografieren: Sind Sie unsicher bei der Art, machen Sie ein Foto und lassen Sie bestimmen, statt sofort zu töten.
- Frischer Köder fängt besser: Ein vergorener, trüber Köder verliert die Wirkung – lieber einmal mehr wechseln.
Ganzes Nest entdeckt? Das sollten Sie tun
Eine Falle gegen einzelne Hornissen ist eine Sache – ein komplettes Nest eine völlig andere. Versuchen Sie niemals, ein Nest selbst zu entfernen. Asiatische Hornissen verteidigen ihren Bau aggressiv und in großer Zahl – wer sich einem Nest nähert, riskiert schnell mehrere Stiche. Ein Nest sitzt außerdem oft hoch in Bäumen und ist für Laien kaum sicher zu erreichen.
Der richtige Weg: Kontaktieren Sie Ihre Naturschutzbehörde oder das örtliche Umweltamt. Dort weiß man, ob und wie das Nest fachgerecht entfernt werden muss und wer die Kosten trägt. Bewahren Sie Ruhe, halten Sie Abstand und überlassen Sie diesen Teil den Fachleuten. Ähnlich pragmatisch geht man auch bei anderen Plagegeistern vor – so hilft auch gegen Dickmaulrüssler eine selbstgebaute Falle, solange man die Grenzen des Selbermachens kennt.
Häufig gestellte Fragen
Ist es erlaubt, die Asiatische Hornisse zu bekämpfen?
In vielen Regionen ist die Art inzwischen etabliert und nicht mehr meldepflichtig, sodass eine Bekämpfung grundsätzlich zulässig ist. Sie muss aber sachkundig, tierschutzkonform und ohne Gefährdung anderer Arten erfolgen. Die genauen Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland und Landkreis – fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Naturschutzbehörde nach.
Wie erkenne ich die Asiatische Hornisse sicher?
Das deutlichste Merkmal sind die gelben Beinenden. Ihr Körper ist überwiegend dunkel bis schwarz mit nur einer orangefarbenen Binde am Hinterleib. Die heimische Hornisse zeigt dagegen mehr Rot und Gelb und hat dunkle Beine – und steht unter Schutz.
Wie oft muss ich die Hornissenfalle leeren und neu befüllen?
Kontrollieren Sie die Falle alle paar Tage und wechseln Sie den Köder regelmäßig, spätestens wenn er trüb wird oder unangenehm riecht. Bei Sommerhitze verdirbt die Mischung schnell und verliert ihre Lockwirkung. Bei jeder Kontrolle sollten Sie außerdem versehentlich gefangene Nützlinge freilassen.
Was mache ich, wenn ich ein ganzes Hornissennest finde?
Entfernen Sie es auf keinen Fall selbst. Halten Sie Abstand und kontaktieren Sie Ihre Naturschutzbehörde oder das Umweltamt, die eine fachgerechte Entfernung veranlassen. Hornissen verteidigen ihr Nest aggressiv, weshalb Eigenversuche gefährlich sind.
