Unkraut im Rasen bestimmen: Diese 6 Arten sollten Sie kennen

von Anna Müller
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Unkraut-Arten im Rasen zwischen Gräsern erkennen und bestimmen
Löwenzahn, Klee und Wegerich wachsen mitten im Rasen. ©Archzine.net
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Sie zupfen an einem grünen Fleck im Rasen, und zwei Wochen später steht er wieder da – oft üppiger als zuvor. Das liegt selten am fehlenden Fleiß, sondern daran, dass die falsche Methode am Werk war. Wer Unkraut im Rasen bestimmen kann, bevor er zur Hacke greift, spart sich das ewige Nachjäten: Ein Löwenzahn mit tiefer Pfahlwurzel braucht eine völlig andere Behandlung als kriechender Gundermann. In diesem Ratgeber erkennen Sie die sechs häufigsten Arten in drei einfachen Schritten und wählen für jede die richtige Gegenwehr.

Kurz gesagt

  • Erst bestimmen, dann bekämpfen – die Wurzelform entscheidet über die Methode, nicht die Blüte.
  • Drei Schritte zur Art – Blattform, Wuchsform und Wurzeltyp führen Sie schnell zum Namen.
  • Sechs Arten reichen – Löwenzahn, Weißklee, Gundermann, Quecke, Vogelmiere und Ampfer decken fast jeden Rasen ab.
  • Timing schlägt Chemie – vor der Samenreife jäten wirkt nachhaltiger als jedes Herbizid.

Warum Sie Unkraut zuerst bestimmen sollten

Weltweit gibt es rund 250.000 Pflanzenarten, und nur etwa drei Prozent davon gelten überhaupt als Unkraut. Von diesen wenigen taucht im heimischen Rasen immer wieder dieselbe kleine Auswahl auf – und genau die lohnt sich zu kennen. Denn zwischen den Arten liegen Welten, sobald es ans Entfernen geht.

Entscheidend ist nicht, wie hübsch die Blüte aussieht, sondern was unter der Erde passiert. Grob gibt es drei Bautypen: Pfahlwurzler bohren sich mit einer einzigen dicken Wurzel tief in den Boden. Ausläufer-Unkräuter schieben unterirdische Rhizome oder oberirdische Kriechtriebe waagerecht durch die Fläche. Samenunkräuter mit flachen Wurzeln setzen dagegen auf Masse und streuen Tausende Samen.

Wer das ignoriert, jätet gegen Windmühlen. Reißen Sie einem Löwenzahn nur das Blatt ab, treibt die verbliebene Wurzel prompt wieder aus. Hacken Sie Gundermann klein, vermehren Sie ihn sogar, weil jedes Wurzelstück eine neue Pflanze bildet. Auch Herbizide lösen das Problem selten dauerhaft – die eigentliche Ursache, nämlich eine Lücke im Rasen, bleibt bestehen. Prävention und die passende Technik wirken nachhaltiger als der Griff zur Chemiekeule.

In 3 Schritten zur richtigen Unkrautart

Sie brauchen kein Botanikstudium, um Unkraut im Rasen zu bestimmen. Eine kleine Systematik aus drei Fragen bringt Sie in unter einer Minute zum richtigen Verdacht. Gehen Sie die Schritte in dieser Reihenfolge durch.

Schritt 1: Die Blattform lesen

Werfen Sie zuerst einen Blick aufs Blatt. Runde, dreiteilige Blätter deuten auf den Klee-Typ hin. Tief eingekerbte, gezackte Blätter sprechen für den Löwenzahn-Typ. Schmale, grasartige Halme, die sich kaum vom Rasen abheben, gehören zu den grasartigen Unkräutern wie der Quecke – die verstecken sich am besten.

Schritt 2: Die Wuchsform prüfen

Wie sitzt die Pflanze im Boden? Eine flache Rosette, die sternförmig am Boden klebt, ist typisch für Löwenzahn und Wegerich. Kriecht die Pflanze flächig über den Rasen und wurzelt an mehreren Stellen, haben Sie einen Ausläufer-Bildner vor sich. Aufrecht wachsende Einzelstängel deuten dagegen eher auf Samenunkraut.

Schritt 3: Den Wurzeltyp ertasten

Der wichtigste Schritt kommt zum Schluss. Lockern Sie die Pflanze vorsichtig und ziehen Sie leicht an. Eine dicke, senkrechte Pfahlwurzel? Ein Netz aus waagerechten Ausläufern, das mitwandert? Oder ein flaches, leicht lösbares Wurzelbüschel? Diese Antwort bestimmt am Ende Ihre Bekämpfungsmethode.

Gärtnerhand untersucht Blattform eines Unkrauts im Beet
Die Blattform verrät, um welche Unkrautart es sich handelt. ©Archzine.net
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Die 6 häufigsten Unkräuter im Rasen

Statt sich durch Kataloge mit dreißig Steckbriefen zu scrollen, konzentrieren Sie sich auf die sechs Arten, die in mitteleuropäischen Rasenflächen tatsächlich dominieren. Jede erkennen Sie an einem, zwei markanten Merkmalen.

Löwenzahn

Der Klassiker: bis 30 cm hoch, tief eingekerbte Blätter in einer Bodenrosette, leuchtend gelbe Blüte von April bis Juli. Eine kräftige Pfahlwurzel hält ihn im Boden – die müssen Sie komplett ausstechen, sonst kommt er zurück.

Weißklee

Nur 5 bis 20 cm hoch, mit den charakteristischen drei runden Blättchen und weißen Kugelblüten. Seine Wurzeln reichen bis 70 cm tief und reichern den Boden mit Stickstoff an. Im Rasen ein Zeichen für Nährstoffarmut.

Gundermann

Wintergrün und heimtückisch: Er kriecht flach über den Boden und breitet sich über mehrere Meter mit Ausläufern (Stolonen) aus. Schon kleine, im Boden vergessene Wurzelreste treiben neu aus – deshalb nie einfach kleinhacken.

Quecke

Das grasähnliche Tarn-Unkraut, 50 bis 120 cm hoch, das man im Rasen leicht übersieht. Es verbreitet sich über kriechende Rhizome unter der Grasnarbe und blüht erst im zweiten Jahr. Jedes Rhizomstück kann neu austreiben.

Vogelmiere

Einjährig, nur rund 15 cm hoch, bildet aber dichte, flache Matten, die den Rasen ersticken. Ihre Waffe ist die Menge: über 15.000 Samen pro Pflanze. Wer sie vor der Samenreife entfernt, hat das meiste gewonnen.

Ampfer

Der Riese unter den Rasenunkräutern, bis 120 cm hoch, mit bis zu 40.000 Samen pro Pflanze – die jahrzehntelang keimfähig bleiben. Wie der Löwenzahn ein Pfahlwurzler: Der ganze Wurzelstock muss raus, sonst startet er neu durch.

Nahaufnahme einer gelben Löwenzahnblüte im Rasen
Die gezackten Blätter und die gelbe Blüte sind typisch für den Löwenzahn. ©Archzine.net

Welche Bekämpfung passt zu welchem Wurzeltyp

Jetzt zahlt sich die Bestimmung aus. Ordnen Sie Ihre Art einem der drei Wurzeltypen zu, und die Methode ergibt sich fast von selbst.

Pfahlwurzler: komplett ausstechen

Löwenzahn und Ampfer sitzen mit einer tiefen Einzelwurzel im Boden. Hier hilft nur, die ganze Wurzel mit einem Unkrautstecher oder einer schmalen Grabegabel herauszuhebeln – am besten nach Regen, wenn der Boden weich ist. Bleibt ein Stück stecken, treibt die Pflanze wieder aus. Für hartnäckige Einzelfälle können Sie punktuell auf Hausmittel setzen, etwa Unkraut mit Essig und Salz vernichten – allerdings nicht auf der Rasenfläche selbst, sondern nur in Fugen und Beeten.

Ausläufer-Unkraut: jedes Wurzelstück entfernen

Gundermann und Quecke breiten sich unterirdisch aus. Kleinhacken macht es schlimmer, weil aus jedem Fragment eine neue Pflanze wird. Ziehen Sie die Ausläufer vorsichtig im Ganzen aus dem Boden und sammeln Sie auch die kleinsten Reste ein. Bei starkem Befall lohnt es sich, die Fläche gründlich zu durchsuchen. Verwandte Rasenprobleme haben oft dieselbe Wurzel: Wer Moos im Rasen entfernen will, setzt genauso an der Ursache an – meist eine schwache, lückige Grasnarbe – statt nur am Symptom.

Samenunkraut und Flachwurzler: vor der Samenreife handeln

Weißklee und Vogelmiere setzen auf Samen. Hier gilt Regel Nummer eins: jäten, bevor sich Samen bilden. Manche Arten produzieren Zehntausende Samen pro Pflanze, die jahrelang im Boden warten. Nach dem Jäten die Lücke sofort nachsäen oder mulchen, damit kein Neuling nachrückt. Für Klee-Verwandte wie den Sauerklee im Beet gibt es gezielte Rezepte, etwa Sauerklee gezielt bekämpfen. Wer es großflächig probieren will, findet unter Alkohol gegen Unkraut im Garten einen weiteren Hausmittel-Trick.

Werkzeuge und Unkrautproben zum Bestimmen auf Holztisch
Lupe, Unkrautstecher und frisch gejätete Proben im Überblick. ©Archzine.net

Profi-Tipps

  • Vor der Blüte: Entfernen Sie Unkraut, bevor es blüht und Samen bildet – ein Ampfer schafft sonst bis zu 40.000 Samen auf einmal.
  • Feuchter Boden: Jäten Sie nach einem Regenguss, dann lösen sich auch tiefe Pfahlwurzeln fast im Ganzen aus dem weichen Boden.
  • Lücke schließen: Säen Sie jede gejätete Stelle sofort nach oder mulchen Sie sie – kahle Erde ist eine Einladung fürs nächste Unkraut.
  • Wurzelreste sammeln: Bei Gundermann und Quecke jedes Fragment aufsammeln, sonst treibt aus jedem Stück eine neue Pflanze.
  • Handschuhe griffbereit: Bei brennnessel- oder distelartigen Nachbarn im Beet schützen feste Gartenhandschuhe vor unangenehmen Überraschungen.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist der beste Zeitpunkt, um Unkraut im Rasen zu entfernen?

Am wirkungsvollsten jäten Sie im Frühjahr und Frühsommer, solange die Pflanzen jung sind und noch keine Samen gebildet haben. Der Boden sollte feucht sein – nach Regen lassen sich Wurzeln deutlich leichter ziehen. Wichtiger als die Jahreszeit ist, dass Sie vor der Samenreife handeln.

Reicht Handarbeit oder brauche ich ein Herbizid?

In den allermeisten Rasenflächen reicht Handarbeit vollkommen aus, wenn Sie die Wurzel komplett erwischen. Herbizide lösen das Wiederauftreten nicht dauerhaft, weil sie die eigentliche Ursache – Lücken und schwache Grasnarbe – nicht beheben. Ausstechen plus Nachsäen wirkt nachhaltiger und schont Boden und Nützlinge.

Warum kommt das Unkraut immer wieder, obwohl ich es gejätet habe?

Meist steckt ein Wurzelrest im Boden: Bei Pfahlwurzlern ein abgerissenes Wurzelende, bei Ausläufer-Unkräutern ein übersehenes Rhizomstück. Beide treiben zuverlässig neu aus. Bestimmen Sie deshalb erst den Typ und entfernen Sie die Wurzel vollständig, statt nur oberirdisch zu kappen.

Ist Unkraut im Rasen schädlich für den Rasen selbst?

Einzelne Wildkräuter schaden kaum und sind für Insekten sogar wertvoll. Problematisch wird es, wenn kriechende oder mattenbildende Arten wie Gundermann oder Vogelmiere dem Gras Licht, Wasser und Nährstoffe entziehen und die Grasnarbe verdrängen. Dann lohnt sich gezieltes Eingreifen, bevor die Fläche kippt.

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Anna Müller

Anna Mueller ist das jüngste Multitalent unter den Autoren des Archzine Online Magazins. Das Journal ist dafür bekannt, mit der Mode Schritt zu halten, damit die Leser immer über die tollsten Trends informiert sind. Anna absolvierte ihren Bachelor in Journalistik an der Freien Universität Berlin.