7 Pflanzen ähneln dem Löwenzahn – nur eine ist giftig

Pusteblume, Salatblatt, Kaninchenfutter – und mittendrin ein giftiger Zwilling, der öfter im Garten wächst, als man denkt.

von Michael von Adelhard

Sieben Wildpflanzen sehen dem Löwenzahn so ähnlich, dass selbst geübte Sammler sie verwechseln – auf dem Rasen, am Wegrand, in der Wiese fürs Kaninchengehege. Sechs davon sind harmlos, viele sogar essbar. Eine aber enthält Giftstoffe, die der Leber schaden. Wer Löwenzahn für Tee, Salat oder Tierfutter pflückt, sollte diese löwenzahnähnlichen Pflanzen darum sicher auseinanderhalten können. Der entscheidende Unterschied steckt selten in der Blütenfarbe – die ist bei fast allen gelb – sondern in der Zahl der Blüten, im Stängel und in der Blattform.

Kurz gesagt

  • Nur Kreuzkraut ist giftig – die übrigen sechs Doppelgänger sind für Menschen unbedenklich, Ferkelkraut nur für Pferde ein Thema.
  • Eine Blüte pro Stängel verrät den echten Löwenzahn; mehrere Blüten an einem verzweigten Stiel sind ein Warnsignal.
  • Der blattlose Stängel mit weißem Milchsaft bestätigt die Bestimmung zusätzlich.
  • Im Zweifel stehen lassen – besonders, wenn Sie für Tee, Salat oder Kaninchenfutter sammeln.

Kreuzkraut: der eine gefährliche Doppelgänger

Unter allen löwenzahnähnlichen Pflanzen ist das Kreuzkraut (Gattung Senecio) die einzige, bei der eine Verwechslung ernst wird. Seine Blätter sind gezackt und erinnern stark an Löwenzahnblätter. Verräterisch ist der Blütenstand: Statt einer einzelnen Blüte pro Stängel trägt Kreuzkraut mehrere kleine, gänseblümchenartige gelbe Köpfchen an einem verzweigten, oft leicht behaarten Stiel.

Kreuzkraut mit mehreren gelben Blüten an einem verzweigten Stängel
Mehrere Blüten pro Pflanze sind ein erstes Warnzeichen für das giftige Kreuzkraut. ©Archzine.net | Illustration: KI-generiert
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Der Grund für die Vorsicht sind Pyrrolizidinalkaloide. Diese Stoffe können die Leber schädigen; laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung zeigen sie im Tierversuch genotoxisches und krebserregendes Potenzial. Eine tolerierbare Tagesdosis lässt sich nicht festlegen – die Empfehlung lautet, die Aufnahme so weit wie möglich zu vermeiden.

Besonders tückisch ist Kreuzkraut vor der Blüte. In diesem Stadium fehlen die verräterischen Blütenköpfe, und die junge Blattrosette gleicht dem Löwenzahn fast vollständig. Wer Rosetten für Salat oder Tierfutter erntet, sollte hier am genauesten hinschauen.

Profi-Tipps für sicheres Sammeln

  • Standort prüfen: Wo einzelne Pflanzen mehrere Blüten an verzweigten Stängeln tragen, steht oft Kreuzkraut im Bestand – dort besser gar nicht ernten.
  • Trocknen entschärft nichts: Pyrrolizidinalkaloide bleiben beim Trocknen erhalten, im Verhältnis kann ihr Anteil sogar steigen. Für Tee also besonders genau bestimmen.
  • Rosetten meiden: Vor der Blüte sind Kreuzkraut und Löwenzahn kaum zu trennen; junge Blattrosetten im Zweifel einfach stehen lassen.
  • Einzeln sortieren: Ob fürs Kaninchen oder die Küche – jede Handvoll Blatt für Blatt durchsehen, statt ganze Büschel abzugeben.

3-Schritte-Check: So erkennen Sie den echten Löwenzahn

Für die schnelle Bestimmung im Garten reicht ein dreistufiger Blick, der ohne Bestimmungsbuch auskommt und bei fast jedem Verdachtsfall funktioniert.

  • Schritt 1 – Blüten zählen: Der echte Löwenzahn trägt genau einen Blütenkopf pro Stängel. Sehen Sie mehrere Blüten an einer verzweigten Pflanze, handelt es sich um einen Doppelgänger – im Zweifel um Kreuzkraut.
  • Schritt 2 – Stängel prüfen: Knicken Sie den Stiel vorsichtig an. Ein echter Löwenzahnstängel ist blattlos, hohl und gibt sofort weißen Milchsaft ab. Sitzen Blätter direkt am Stängel, scheidet Löwenzahn aus.
  • Schritt 3 – Samenstiel und Blattform checken: Nur der echte Löwenzahn bildet die dichte Pusteblume mit ihren feinen Fallschirmchen – denselben Samenstand, den man auch für Deko nutzen kann. Seine Blätter sind lanzettlich und tief gezähnt, daher der Name Löwenzahn.
Grafik mit drei Schritten zur sicheren Löwenzahn-Bestimmung
Grafik: Blütenzahl, Stängel und Samenstiel verraten in drei Schritten den echten Löwenzahn. Grafik: KI-generiert

Zusammen genommen sind diese drei Merkmale eindeutig: Eine Pflanze mit einzelner Blüte, blattlosem Milchsaft-Stängel und Pusteblume ist immer ein echter Löwenzahn – kein anderer Doppelgänger vereint alle drei.

Ferkelkraut, Herbst-Löwenzahn & Habichtskraut: die harmlosen Doppelgänger

Diese drei Arten wachsen häufig direkt neben dem Löwenzahn und lassen sich mit dem Drei-Schritte-Check schnell abgrenzen. Wer im Rasen ohnehin unsicher ist, welches Kraut vor ihm steht, findet in unserem Ratgeber zum Unkraut im Rasen bestimmen weitere Bestimmungshilfen.

Ferkelkraut (Hypochaeris radicata) ist der hartnäckigste Verwechslungskandidat. Es trägt mehrere Blütenköpfe an verzweigten Stängeln und ist vor der Blüte kaum vom Löwenzahn zu unterscheiden. Für Menschen ist es essbar. Auf der Weide wird es allerdings zum Problem – Pferdehalter sollten wissen, welche Pflanzen für Haustiere giftig sind.

Ferkelkraut mit mehreren gelben Blütenköpfen auf verzweigten Stängeln
Ferkelkraut ist essbar, für Pferde auf der Weide aber unverträglich. ©Archzine.net | Illustration: KI-generiert

Herbst-Löwenzahn (auch Milchkraut, Leontodon autumnalis) erkennt man an der Jahreszeit: Er blüht, wenn der echte Löwenzahn längst verblüht ist, und bildet keine typische Pusteblume aus. Größtenteils ist er essbar, kulinarisch aber wenig ergiebig.

Kleines Habichtskraut (Hieracium) hat den auffälligsten Unterschied: Seine Blätter sind oval und rundlich, dazu sitzen sie direkt am Stängel. Genau dieser beblätterte Stiel ist das klarste Gegenstück zum blattlosen Löwenzahn.

Kleines Habichtskraut mit ovalen Blättern an beblättertem Stängel
Der beblätterte Stängel ist der klarste Unterschied zum blattlosen Löwenzahnstiel. ©Archzine.net | Illustration: KI-generiert

Pippau, Rucola & Wiesenbocksbart: wenn nur die Blüte täuscht

Bei diesem Trio erinnert vor allem die gelbe Blüte an den Löwenzahn, während Blätter, Wuchs oder Duft eine klare Trennung erlauben.

Wiesen-Pippau (Crepis biennis) hat längliche, gezackte Blätter und Blüten, die kleinteilig und stark verzweigt stehen. Giftig ist er nicht, geschmacklich aber wenig überzeugend.

Wilder Rucola (Eruca vesicaria sativa) besitzt ein täuschend löwenzahnähnliches Blatt, verrät sich jedoch über die Nase: Er riecht und schmeckt scharf-kressig, wo Löwenzahn eher bitter bleibt. Ein kurzer Geruchstest genügt zur Unterscheidung.

Hand hält frische Rucola-Blätter nah an die Nase für den Geruchstest
Der Geruchstest verrät es sofort: Rucola riecht scharf-kressig, Löwenzahn eher bitter. ©Archzine.net | Illustration: KI-generiert
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Wiesenbocksbart (Tragopogon pratensis) teilt mit dem Löwenzahn nur die gelbe Farbe. Seine Blüte ist deutlich größer, sternförmig geöffnet und von langen, spitzen Hüllblättern umgeben; die Blätter sind schmal und grasähnlich. Er ist komplett essbar und gehört damit zu den essbaren Blüten im eigenen Garten.

Wiesenbocksbart mit großer sternförmiger gelber Blüte im Gras
Nur die gelbe Farbe erinnert an Löwenzahn – Form und Größe der Blüte unterscheiden sich deutlich. ©Archzine.net | Illustration: KI-generiert

Löwenzahnähnliche Pflanzen im Vergleich

Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale aller sieben Doppelgänger und des echten Löwenzahns auf einen Blick:

PflanzeBlüten pro PflanzeBlätterGiftig?Essbar?
Echter Löwenzahneine, pro Stängellanzettlich, tief gezähntneinja (Blatt, Blüte, Wurzel)
Kreuzkrautmehrere, verzweigtgezackt, löwenzahnähnlichja (Leber)nein
Ferkelkrautmehrere, verzweigtspatelförmig, gewelltneinja, nicht für Pferde
Herbst-Löwenzahnmehrere, Herbstblüteschmal, gezähntneinja (fad)
Kleines Habichtskrautmehrere, beblätterter Stängelovalneinja (wenig ergiebig)
Wiesen-Pippaumehrere, kleinteilig verzweigtlänglich, gezacktneinkaum schmackhaft
Wilder Rucolamehreregezackt, kressig duftendneinja (würzig)
Wiesenbocksbarteine, groß und sternförmigschmal, grasähnlichneinja (komplett)

Häufig gestellte Fragen

Ist Kreuzkraut besonders für Pferde und andere Weidetiere gefährlich?
Ja. Anders als der Mensch können Weidetiere die Pflanze auf der Koppel nicht gezielt aussortieren. Heikel wird es im Heu: Getrocknet verliert Kreuzkraut seinen bitteren Geschmack, sodass Pferde es im Winterfutter nicht mehr erkennen und mitfressen – die leberschädigende Wirkung bleibt dabei erhalten.
Darf ich einen unsicher bestimmten Doppelgänger trotzdem als Tee verwenden?
Besser nicht. Ein einzelnes falsch bestimmtes Blatt im Salat ist etwas anderes als eine Tasse Tee aus getrockneten Blüten, in der sich mögliche Pyrrolizidinalkaloide konzentrieren. Für Aufgüsse gilt deshalb: nur ernten, was Sie über alle drei Merkmale zweifelsfrei als Löwenzahn bestimmt haben.
Sind alle harmlosen Doppelgänger wirklich unbedenklich?
Für den Menschen ja – die sechs übrigen Arten reichen von genießbar bis fad, aber keine schadet. Die einzige Einschränkung betrifft Ferkelkraut: Bei Pferden wird es mit einer Bewegungsstörung der Hinterhand (dem sogenannten Australian Stringhalt) in Verbindung gebracht. Für Küche und Kaninchen bleibt es unproblematisch.

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Michael von Adelhard
Redakteur für Lifestyle, DIY & Mode · Schreibt über: Lifestyle & DIY · Aktualisiert am 20. Juli 2026

Michael von Adelhard gehört seit 2016 zum Redaktionsteam von Archzine und hat in dieser Zeit über 600 Beiträge veröffentlicht. Sein Schwerpunkt liegt auf Mode und Lifestyle aus männlicher Perspektive, verbunden mit praktischen DIY- und Bastelideen für Erwachsene. Auch in der Küche und im Garten ist er zu Hause und schreibt gern über alltagstaugliche Projekte zum Selbermachen. Seine Ideen sammelt er oft auf ausgedehnten Radtouren – bodenständig, neugierig und immer mit einem Blick fürs Machbare.